WINFRIED KRÜGER — ÜBER DIE JAHRE

SCHMUCKARBEITEN 1967-2019

Vernissage  Freitag, 8. November, 19 Uhr
Ausstellung  9. November – 21. Dezember 2019

Winfried Krüger gilt als einer der einflussreichsten Wegbereiter des zeitgenössischen Autorenschmucks und ist mit seinen Arbeiten in namhaften Museen, Galerien und privaten Sammlungen vertreten. Als Lehrer am Berufskolleg der Goldschmiedeschule Pforzheim prägte er 22 Jahre lang junge kreative Menschen und brachte ihnen nicht nur das Schmuck-Machen bei. Die Ausstellung ÜBER DIE JAHRE zeigt das Werk eines „Schaffers“ aus über 52 Jahren.

1944
Geboren in Bauschlott

1960–1963
Ausbildung zum Juwelengoldschmied an der Berufsfachschule für Goldschmiede und in der Firma Hermann Hottinger in Pforzheim

1963–1969
Studium an der Kunst- und Werkschule Pforzheim bei Prof. Reinhold Reiling. Abschluss: Designer Grad.

1969–1970
Designer in der Industrie bei der Firma Paul Heinrich Gerhard in Pforzheim

1970–1974
Als Designer selbstständig und Mitarbeit in der Galerie Ophir in Berlin

1974–1979
Studium der Theaterwissenschaft und der Kunstgeschichte an der freien Universität Berlin seit 1974 eigene Werkstatt.
Betätigungsfeld: Einzelschmuck und Malerei 

1989–2011
Lehrer am Berufskolleg für Design, Schmuck und Gerät, Pforzheim.
Mitarbeit an verschiedenen Filmprojekten, Ausstellungskonzeptionen, Workshops, Symposien, Gastvorträge an verschiedenen Hochschulen.

„Vincy also, der Mann, der alles andere lieber tut als Schmuck machen. Lieber mauert, betoniert, Wände einreißt, Leitungen legt, schweißt, gräbt, wühlt. Alles, was die Hände schaffen können, und schließlich ganz fein, ganz genau das ergibt, was er sich vorstellt. Ein Schaffer, ein Berserker, ein stiller Feingeist, der alles kann. Auch Schmuck. Aber das ist eine komplizierte Geschichte, denn er kann auch Haare schneiden, kann Klamotten nähen, kann kochen und auch malen, zeichnen und was weiß ich noch. Schmuck gegen den Schmuck, ließe sich sagen, aber so einfach ist es nun auch wieder nicht. Vincy ist ein Künstlermensch durch und durch, alles wird angefasst und gestaltet, umgestaltet – Schmuck ist nur ein Vorwand, um das Ungewisse und das Komplexe des Gestaltens zu hinterfragen – oder auch zu unterlaufen. Auch um etwas herauszufinden, etwa die geheimnisvolle Seite von etwas Bekanntem – oder die Entlarvung des Banalen in etwas Kostbarem.

Wir kennen uns nunmehr über 45 Jahre, ein Menschenleben mitunter. Ich saß an meinem Platz in der Goldschmiedeschule, bei Fritz Stäbler, der einst auch sein Lehrer dort war, da kam er plötzlich rein. Wir hatten uns erst kürzlich bei Tchibo kennengelernt, dem Dreh- und Angelpunkt unserer Jugend in Pforzheim. Er war zweifellos einer von denen, die man unbedingt kennen wollte, am besten befreundet sein. Jetzt stand er da um etwas abzuholen – jedenfalls fragte ich, was er vorhabe. Komm doch mit, sagte er. Wir grinsten uns an, und ich bat meine Brettnachbarin, nachher meine Sachen zu verstauen, mir sei nicht wohl, ich sei gegangen, solle sie sagen, wenn man nach mir frage. Das war der Beginn einer langen, großen Freundschaft. Wir fuhren mit seinem alten VW-Cabrio über die Dörfer. Alles andere machen als Schmuck.“
—Ralf-Rainer Odenwald